AIS

Erfahrungsberichte: Binnenschifffahrtsunternehmer über AIS

Unternehmer De Roeck

Stephaan De Roeck ist Schiffsführer der MS Tripoli, eines seetauglichen Binnenschiffs für die Fahrt an der belgischen Nordseeküste. „Wir befördern Container vom Zeebrugger Hafen ins Hinterland und Rheinbecken. Dabei fahren wir unter Charter für PortConnect, vor allem auf dem Meeresabschnitt zwischen Zeebrugge und Vlissingen.“



Unternehmer De Backer

Auch Renaat De Backer fährt mit der MS Were Di für Rechnung von PortConnect. Er befördert Container zwischen Zeebrugge und Antwerpen, gelegentlich auch nach Gent, Willebroek, Avelgem und Saint-Saulve in Frankreich.



Worin sehen Sie den größten Nutzen von AIS?

Renaat De Backer: „Es hilft beim Navigieren. Vor allem auf der Westerschelde ist diese Hilfe sehr willkommen. So erhält man genaue Angaben über die Position der entgegenkommenden Seeschiffe: ihren Namen, die Position, die Annäherungsgeschwindigkeit usw. Das macht das Navigieren sicherer und übersichtlicher.“

Stephaan De Roeck: „Insbesondere auf der vielbefahrenen Westerschelde erhöht das AIS in der Tat die Sicherheit deines Schiffs. Die großen Seeschiffe könnten dich sonst leicht übersehen. Mit AIS erhält man jetzt automatisch alle nötigen Angaben. So kann man das andere Schiff leichter aufrufen, ganz gleich bei welchem Wetter. Man kennt ja den Namen. Ich möchte echt nicht mehr darauf verzichten.“

Renaat De Backer: „Kollegen von mir fahren auf der Donau in Österreich, wo AIS Pflicht ist. Sie sind wirklich froh darüber. AIS hat eine viel größere Reichweite als der Radar. Auch Flussbiegungen sind kein Problem mehr. Man sieht die entgegenkommenden Schiffe jetzt schon Kilometer im Voraus und erhält dazu alle nötigen Angaben. Mit rumänischen oder tschechischen Schiffsführern, die manchmal kaum Deutsch sprechen, ist das alles andere als Luxus.“

Hat AIS sonst noch Vorteile?

Stephaan De Roeck: „Selbstverständlich, für die Befrachter. Die können viel besser vorausplanen. Sie wissen jetzt zum Beispiel genau, wann ein Seeschiff in Rotterdam ankommt und welche Schiffe sich zu diesem Zeitpunkt in der Nähe befinden.“

Renaat De Backer: „Die Häfen können sich ein besseres Bild von den Schiffsbewegungen und den benötigten Liegeplätzen am Kai machen. Das bringt natürlich auch den Binnenschifffahrtsunternehmen Vorteile, weil der Warenumschlag jetzt schneller verläuft.“

Womit ist der AIS-Transponder bei Ihnen verknüpft?

Renaat De Backer: „Bei mir ist er mit der elektronischen Karte auf meinem Computer verknüpft.“

Stephaan De Roeck: „Ich habe ein neues System, in dem das Radarbild und die elektronische Karte integriert sind. Radar Overlay nennt man das. Auch AIS ist darin integriert. Ich sehe also auf einem einzigen Bildschirm alle Angaben, die ich benötige, um sicher zu navigieren. Wenn es mal hektisch wird, kann ich die AIS-Daten auf einem anderen Bildschirm anzeigen, damit mein Radarbild nicht zu überladen ist.“

 

Hat das AIS Ihres Erachtens auch Nachteile?

Renaat De Backer: „Was für den Befrachter ein Vorteil ist, sehen manche Binnenschifffahrtsunternehmer als Nachteil an. Mein Befrachter weiß immer, wo wir uns genau befinden und wie schnell wir vorankommen. Das bedeutet, dass wir nicht mehr für uns sind. Jeder muss natürlich selbst wissen, wie sehr ihn das belastet und ob man wirklich seine Position und andere Daten über AIS austauschen will. Vor allem Binnenschifffahrtsunternehmer in freier Schifffahrt finden das nicht so toll, kann ich mir vorstellen.“

Stephaan De Roeck: „Ich stehe 24 Stunden am Tag unter Vertrag und bin also ununterbrochen für meinen Befrachter im Einsatz. Ich habe aber kein Problem damit, dass PortConnect jederzeit sehen kann, wo wir uns befinden. Auch für mich ist es praktisch, wenn ich von zuhause aus sehen kann, wo sich das Schiff befindet. Ein Nachteil ist allerdings, dass man auf diese Weise alle Karten offen auf den Tisch legt. Man bekommt sofort einen neuen Transport zugeteilt, ohne groß über den Frachtpreis verhandeln zu können.“

„Ein weiterer Nachteil aus meiner Sicht ist auch manchmal die Überfülle an Informationen. Wenn man wie ich alles auf einer einzigen Karte sieht, ist der Bildschirm hin und wieder überladen. Das wird garantiert der Fall sein, wenn 2011 in Antwerpen AIS zur Pflicht wird. Dann müsste man bestimmte Informationen herausfiltern können.“

Finden Sie, dass AIS ein benutzerfreundliches System ist?

Renaat De Backer: „Ich schalte das System einfach ein und aus. Es arbeitet ziemlich schnell, aber wahrscheinlich hole ich noch nicht alles raus, was drin steckt. Außerdem gibt es die technischen Informationen nur in Englisch. Es wäre keine schlechte Idee, eine Schulung anzubieten, damit jeder das System wirklich beherrscht.“
Stephaan De Roeck: „Ich hatte es ziemlich schnell im Griff, muss ich sagen. Beim Einbau habe ich Anweisungen bekommen, wie ich AIS richtig benutze. Bevor ich losfahre, gebe ich die Reisedaten ein. Das war´s auch schon. Das System übernimmt den Rest.“

Unternehmer Vanhaecke

Auf der MS Chridi arbeitet Rudi Vanhaecke schon drei Jahre mit AIS. „Die MS Chridi befördert Container, Erz, Kohle und Getreide ins Donaugebiet, nach Linz und noch weiter. Auf der österreichischen Donau ist der Einsatz von AIS Pflicht. Und das ist auch gut so, finde ich, denn die Donau hat viele Biegungen, und man trifft dort regelmäßig auf osteuropäische Binnenschifffahrtsunternehmer, mit denen die Verständigung nicht immer leicht fällt. AIS verbessert in jedem Fall die Sicherheit. Wenn das AIS mit der Inland-Ecdis-Karte verknüpft ist, sieht man die Schiffe schon Kilometer im Voraus. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Schleusenmeister sieht, welche Schiffe wirklich in der Nähe sind. So kann er effizienter arbeiten. Sonst kommt es nämlich schon mal vor, dass ein Schiff seine Ankunft meldet, obwohl es noch eine Stunde zu fahren hat.“

„AIS hat auch ein paar Nachteile, und zwar in Zusammenhang mit den Informationen, die du über das AIS von dir preisgibst: deine Tonnage, deine Geschwindigkeit, deine Betriebsart usw. Das kann zu unkollegialem Verhalten führen. Wenn andere Schiffe sehen, mit welcher Geschwindigkeit du fährst, können sie versuchen, an dir vorbeizuziehen. Zum Glück ist man nicht verpflichtet, alle Informationen über AIS auszusenden, denn sonst könnten Dritte dir einen Strich durch die Rechnung machen. Außerdem muss die Schifffahrtspolizei nicht mehr direkt vor Ort sein, um dir auf die Finger zu schauen. Hinzu kommt noch, dass Befrachter die Marktpreise stärker unter Druck setzen könnten. Ich finde, das AIS sollte nur dafür benutzt werden, wofür es eigentlich gedacht ist: für die Sicherheit. Es müsste verbindliche Absprachen geben, um die Informationen, die man über AIS aussendet, vor Schnüfflern zu schützen.“

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