Elektronische Schifffahrtskarten

Kommerzielle Karten

Marc Persoons und Yves Hacha sind Mitgründer der zwei größten Hersteller von Inland-ECDIS-Software: Periskal und Tresco. Was ändert sich mit den neuen, offiziellen Karten und wie schätzen die beiden Protagonisten die weitere Entwicklung ein?


Marc Persoons

Mitgründer von Periskal, dem Unternehmen, das das Periskal Radar Overlay und den Tresco Inland Ecdis Viewer vertreibt.
www.periskal.com

‘Die offiziellen Karten sind eindeutig eine Verbesserung. Inzwischen geben wir schon seit fast zwanzig Jahren selbst Karten heraus, weil wir weiterkommen müssen, aber eigentlich ist es Aufgabe des Staates, korrektes Kartenmaterial zu liefern. Jetzt, wo die Karten erschienen sind, liegt die Verantwortung für die Zuverlässigkeit der Angaben auch in den richtigen Händen. Wir können uns jetzt auf Zusatzinformationen konzentrieren, die den Karten einen Mehrwert verleihen.

Die offiziellen Karten sind eindeutig besser und präziser. Die Karten, die wir selbst entwarfen, waren natürlich nicht schlecht, doch hatten wir ganz einfach keinen Zugriff auf alle Basisdaten. Und gerade in Belgien sind diese Daten über viele verschiedene Regierungen verteilt, so dass es ohnehin eine wahre Geduldsprobe ist, alle Puzzlestücke zusammenzufügen.

Die Binnenschifffahrtsunternehmer werden es vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennen, aber die Daten sind doch ein gutes Stück zuverlässiger und genauer geworden. Gerade jetzt, wo immer mehr größere Schiffe auf unseren Flüssen verkehren, kommt es auf genaue Daten an.’

 

Yves Hacha

Mitgründer der Tresco Engineering (Antwerpen), des Unternehmens, das das Paket Navigis River als elektronische Schifffahrtskarte sowie die Produkte Tresco Radaroverlay, NaviChart und AlphaChart vertreibt.
www.tresco.eu

‘Auch wir sind froh, dass die offiziellen Karten endlich da sind. Bisher hatten wir unsere eigenen Karten auf unterschiedlichste Art und Weise entworfen. Einige Flussabschnitte sind wir sogar mit einem eigenen Bemessungsschiff abgefahren. Aber es ist doch besser, mit offiziellen Daten zu arbeiten.

Ob wir Angst haben, dass die Gratis-Karten uns Konkurrenz machen? Nicht wirklich. Als die ersten Karten in Österreich erschienen, mussten wir natürlich erst einmal heftig schlucken. Aber die Erfahrung zeigt, dass die Schiffsführer keine große Lust haben, ihre Routen selbst zusammenzubasteln. Sie sind den Service von Software-Paketen gewohnt, in denen alles miteinander verknüpft ist und für die sie regelmäßig Updates erhalten.

Wir werten die Karten mit vielen Zusatzinformationen auf, beispielsweise den Kontaktangaben von Unternehmen, Löschplätzen, Erkennungspunkten in der Landschaft, ja sogar Cafés. Außerdem ist der Markt inzwischen gereift. Jeder besitzt mittlerweile einen Viewer oder ein Navigationsinstrument. Die wirft man ja nicht einfach weg.

Es ist gut möglich, dass wir den Preis unserer Karten jetzt senken. Das haben wir übrigens auch bei den österreichischen Karten so gehandhabt. Dennoch können wir sie nicht verschenken. Dafür steckt zu viel Arbeit drin.

Was die Zukunft bringt? Vor allem mehr Schiffsführer, die von der einfachen Viewer-Software auf die Navigationssoftware mit Radar Overlay umsteigen, glaube ich. Durch die Krise haben viele noch etwas gewartet mit dieser Investition, aber wenn man alle Möglichkeiten von Inland ECDIS nutzen will, ist das Radar Overlay ganz einfach der nächste logische Schritt.’

 

Diese Website gibt lediglich die Meinung des Autors wieder.
Die Europäische Union und die Partner dieser Website
lehnen jede Haftung für die eventuelle Nutzung
der auf diesem Portal angebotenen Informationen ab.