Elektronische Schifffahrtskarten

Häufig gestellte Fragen

1. Was ist ECDIS?

2. Was ist Inland Ecdis?

3. Wer legt den Inland-ECDIS-Standard fest?

4. Für welche Länder und Gebiete gilt dieser Standard?

5. Wie wird Inland ECDIS eingesetzt?

6. Was steht auf den elektronischen Karten?

7. Welche Vorteile bietet Inland ECDIS?

8. Preise?

9. Was ändert sich mit den offiziellen Karten?



1. Was ist Ecdis?

Ecdis steht für Electronic Chart and Display Information System (elektronisches Kartendarstellungs- und Informationssystem). Das System kommt in der Schifffahrt zum Einsatz, um elektronische Seekarten, auch Electronic Navigational Charts (kurz ENC) genannt, darzustellen. ECDIS ist somit der internationale Standard für die Darstellung elektronischer Seekarten.



2. Was ist Inland Ecdis?

Inland ECDIS ist die ECDIS-Version für die Binnenschifffahrt. Inland ECDIS ist aber nicht einfach eine Kopie des maritimen ECDIS-Systems, auch wenn es mit diesem kompatibel ist. Wer das maritime ECDIS besitzt, kann also auch die ENCs für die Binnenschifffahrt darstellen, und umgekehrt. Das ist beispielsweise in Häfen wichtig, wo Binnen- und Seeschiffe einander kreuzen, oder auch in Mischverkehrszonen von Flussmündungen.

Dass Inland ECDIS nicht einfach eine Kopie ist, liegt an den besonderen Anforderungen der Binnenschifffahrt. Brücken und Schleusen beispielsweise sind auf Meeresnavigationskarten nur angedeutet, wohingegen die Binnenschifffahrt detailliertere Informationen über das komplexe System aus Tonnen, Verkehrsschildern und sonstigen Verkehrshinweisen benötigt, die hier gelten.

Inland ECDIS arbeitet mit mindestens drei Stufen der Informationsdichte: Gesamt-, Standard- und Mindestinhalt. Oft kann der Benutzer auch selbst bestimmen, was auf dem Monitor dargestellt werden soll und was nicht. Da gewisse Objekte beim Vergrößern ausgeblendet werden, ist die Karte niemals überladen.



3. Wer legt den Inland-ECDIS-Standard fest?

Den Inland-ECDIS-Standard legt die europäische Expertengruppe Inland ECDIS fest, die sich aus Software-Lieferanten, Regierungsvertretern und Technikern zusammensetzt. Sie arbeiten einen Vorschlag aus, der dann von folgenden Instanzen genehmigt werden muss:

  • Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR),
  • Donaukommission (DK),
  • Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UN/ECE),
  • Europäische Kommission,
  • International Hydrographic Organisation (IHO)..

Die Europäische Kommission hat beschlossen, dass der Staat zumindest eigene elektronische Karten für die schiffbaren Wasserläufe der Klasse Va und höher bereitstellen muss. Dies ist nun in Flandern der Fall (siehe unten).

Darüber hinaus hat sie entschieden, dass die ENCs und die Geräte, die im Navigationsmodus zum Einsatz kommen, amtlich geprüft sein müssen. Wer die ENCs nur im Informationsmodus einsieht, benötigt keine amtlich geprüften Karten und Geräte.

Ob ein bestimmtes Gerätemodell getestet und zugelassen ist, erfahren Sie auf der Website der ZKR: http://www.ccr-zkr.org/Files/ris/ecdis_apagrees.pdf.
Gegenwärtig sind drei Navigationsgeräte zugelassen:

  • der IN Radarpilot 720° der deutschen Firma IN-Innovative Navigation,
  • das Periskal Radar Overlay der belgischen Firma Periskal,
  • das Tresco Radar Overlay der belgischen Firma Tresco Engineering.


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4. Für welche Länder und Gebiete gilt dieser Standard?

Inland ECDIS soll der weltweite Standard für die Binnenschifffahrt werden. So ist zugleich gewährleistet, dass die ENCs für die Binnenschifffahrt mit dem weltweiten Standard für die Seeschifffahrt kompatibel bleiben.

Damit der Inland-ECDIS-Standard so weit wie möglich Anwendung findet, haben Nordamerika und Europa 2003 die Harmonisierungsgruppe Inland ENC (IEHG) gebildet. Wenig später trat auch Russland bei. Brasilien folgte 2007, und in Kürze soll auch China Mitglied werden.



5. Wie wird Inland ECDIS eingesetzt?

Inland ECDIS kann auf zwei verschiedene Arten benutzt werden: als reiner Karten-Viewer (Informationsmodus) oder als Navigationsinstrument (Navigationsmodus).

In beiden Fällen reicht die Funktionalität über die einfache Darstellung der elektronischen Karte hinaus. Der Benutzer kann auch Informationen über bestimmte Objekte auf der Karte abrufen, wie Brücken, Schleusen oder andere Schiffe.

Im Informationsmodus ist Inland ECDIS quasi ein elektronischer Atlas mit Zusatzinformationen über die Wasserstraße. Der Viewer kann überdies mit einem GPS verbunden werden, damit sich die Kartendarstellung automatisch verschiebt und das eigene Schiff immer in der Mitte des Monitors erscheint. Dieses System ist aber nicht wirklich als Navigationsinstrument gedacht (und auch nicht als solches geeignet). Im Informationsmodus wird das Kartenbild nicht mit Radarbildern kombiniert und muss auch nicht amtlich geprüft sein. Dennoch ist es eine wichtige Arbeitshilfe, weil die Radarbilder durch aufschlussreiche Informationen ergänzt werden. Der Viewer kann unter anderem mit einem Inland-AIS-Transponder verbunden werden, damit die Karte auch Schiffe anzeigt, die mit AIS ausgerüstet sind.

Im Navigationsmodus projiziert das Inland-ECDIS-System die elektronische Karte unter die Radarbilder (Radar Overlay). Das Gerät ist amtlich geprüft und das GPS-Signal präzise genug, um eine sichere Fahrt zu garantieren.

Es sind verschiedene Arten von Navigationssystemen auf dem Markt. Manche benutzen einen einzigen Monitor, der zwischen reinem Radarbild und Radarbild in Kombination mit elektronischer Karte umschalten kann. Andere Systeme benutzen zwei oder noch mehr Monitore: einen für das reine Radarbild, einen für die Kombination mit elektronischer Karte und eventuell einen weiteren Monitor für zusätzliche Informationen.

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6. Was steht auf den elektronischen Karten?

Die ENCs, die zum Navigieren verwendet werden, müssen mindestens die Informationen beinhalten, die zum sicheren Navigieren nötig sind:

  • Uferlinie,
  • Uferbauwerke (Buhnen und Leitwerke),
  • Umrisse von Schleusen und Wehren,
  • Fahrrinnengrenze (falls vorhanden),
  • isolierte Gefahrenstellen in der Fahrrinne unter und über Wasser, wie Düker, Brücken, Freileitungen,
  • Tonnen, Baken, Lichtzeichen, Tafelzeichen,
  • Wasserstraßenachse mit Kilometer- und Hektometeranzeige.


Die Firmen, die diese Navigationssoftware auf den Markt bringen, haben aber noch eine ganze Reihe weiterer nützlicher Informationen und Arbeitshilfen in das Programm integriert, wie:

  • Wendezeiger,
  • Kursrichtung des elektronischen Kompasses,
  • Geschwindigkeit des Schiffs,
  • Entfernung zum Fahrwasserboden und sichere Tiefe für das Schiff in der aktuellen Fahrsituation,
  • Daten der AIS-Transponder,
  • Verkehrsschilder am Ufer,
  • Namen von Brücken und Schleusen mitsamt dem richtigen Marinefunkkanal,
  • Alarmsignale, wenn das System Hindernisse und Gefahrenstellen auf der Route erfasst,
  • ein Logbuch der gefährlichen Routen,
  • regelmäßige automatische Updates der Karten.


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7. Welche Vorteile bietet Inland ECDIS?

Den Binnenschifffahrtsunternehmern verschafft Inland ECDIS eindeutige Vorteile im Vergleich zu den früheren Papierkarten. Die elektronischen Karten sind um vieles aktueller und beinhalten auch deutlich mehr Informationen, was die Sicherheit erheblich verbessert. Auch die Arbeitslast wird heruntergeschraubt, da nun alle Informationen in einem einzigen System zusammenkommen. Viele Informationen, die früher von Hand nachgesucht werden mussten, erscheinen jetzt automatisch auf dem Monitor.

Das System bietet zudem die Möglichkeit, die effizienteste oder wirtschaftlichste Route zu planen, indem es beispielsweise die erwartete Ankunftszeit an einer Schleuse oder einem Löschplatz vorausberechnet oder die optimale Fahrgeschwindigkeit empfiehlt, damit das Schiff eine bestimmte Fahrstrecke oder den Hafen zum günstigsten Flutzeitpunkt erreicht.



8. Preise?

Die flämischen Wasserstraßenbetreiber stellen Gratis-Karten der wichtigsten Wasserstraßen zur Verfügung. Diese Karten können dann in Kombination mit einem kostenlosen Viewer eingesetzt werden (also nur im Informations- und nicht im Navigationsmodus). Nähere Infos zum Download dieser Karten und eines kostenlosen Viewers finden Sie auf ris.vlaanderen.be oder www.binnenvaart.be.

Hier einige Richtpreise für die kommerzielle Inland-ECDIS-Software:

  • Für die Basis-Software (Viewer) zahlen Sie ca. 1.000 €.
  • Ein Paket aus Viewer mit Karten Belgiens und der Niederlande kostet etwa 1.300 Euro. Nimmt man die Rheinkarte hinzu, kommt man auf etwa 1.700 €.
  • Eine Anlage mit Radar Overlay kostet etwa 4.500 € zusätzlich.
  • Ein Jahresvertrag mit regelmäßigen Updates der elektronischen Karten beläuft sich auf 300 bis 350 €.

Die Hardware (GPS, PC und Radarsystem) ist dabei nicht einberechnet. Der Preis für ein vollständiges System mit Radar Overlay beträgt etwa 8.000 €, wenn man alles neu einbauen muss.



9. Was ändert sich mit den offiziellen Karten?

Die RIS-Richtlinie schreibt den Staaten vor, zumindest offizielle Karten für ihre Wasserstraßen der Klasse Va und höher bereitzustellen. Seit dem 25. Mai stehen auch die Karten Flanderns gratis zur Verfügung. Bis auf einige Ausnahmen sind diese Karten in Europa kostenlos.

Der Vorteil der offiziellen Karten besteht darin, dass es jetzt ein (nahezu) vollständiges europäisches Netz kohärenter elektronischer Kartendaten gibt, die alle denselben Standard haben. Die offiziellen Karten sind zuverlässiger als die bisherigen Karten, da sie auf offiziellen Daten und nicht mehr auf vereinzelten Messungen beruhen.

Wer bereits ein Inland-ECDIS-System besitzt, wird zunächst keine großen Änderungen feststellen. Auch zuvor arbeiteten diese Systeme bereits mit Karten der europäischen Wasserstraßen. Die neuen Karten sind allerdings zuverlässiger, und diesen Unterschied merkt man, sobald man genauer hinschaut.

Wer noch kein System besitzt, darf sich jetzt auf eine kostenlose Alternative freuen (abgesehen von den Karten, die beispielsweise aus Deutschland kommen und die immer noch kostenpflichtig sind). Selbstverständlich bieten die kostenlosen Systeme nicht dieselben Möglichkeiten wie die kommerziellen Produkte. Dennoch sind sie eine solide Arbeitshilfe, wenn man die Basisversion an Bord haben möchte.

 

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